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Green Travel im Erasmus-Semester

10.07.2023 - von Marisa


Erasmus und nachhaltiges Reisen – passt das zusammen? Wie funktioniert „Green Travel“ überhaupt? In diesem Blog erkläre ich euch, was es mit diesem Begriff auf sich hat, erzähle von meinen eigenen Erfahrungen und gebe Tipps, wie du deinen Aufenthalt in Hinsicht auf Mobilität möglichst nachhaltig gestalten kannst. Spoiler: Es ist gar nicht so schwer!


Green Travel im Profil

Unter „Green Travel“ versteht man nachhaltiges Reisen, bei welchem emissionsarme Verkehrsmittel genutzt werden. Diese können klassische Fahrzeuge wie Bus und Zug sein, aber auch Fahrgemeinschaften. Im Rahmen des Erasmus+ Programms kann man hierfür ein finanzielles Top-Up erhalten. Aber wozu das Ganze? Die Studierenden sollen verstärkt auf nachhaltige Themen wie Klimawandel und den ökologischen Fußabdruck aufmerksam gemacht und hierfür sensibilisiert werden. Dadurch wird die Nutzung von umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln gesteigert und das Programm in Hinblick auf Mobilität nachhaltiger gestaltet.

Nachhaltiges Reisen kann jedoch über die reine Fahrt zum und vom Zielort hinausgehen, denn das Fortbewegen und Reisen in der Zielregion selbst kann zu Nachhaltigkeit beitragen. Anstatt sich mehrmals für Wochenendausflüge ins Flugzeug zu setzen, kann man sich mehrere Monate auf das Land einlassen und dadurch die Region selbst besser unterstützen. Viele sehenswerte Ziele liegen nicht mehr so weit entfernt und man hat Zeit, um möglichst viele Erlebnisse mitzunehmen. Ob man sich nun auf eine Interrail-Reise einlässt und die Metropolen des Landes abklappert oder lieber kleine Ausflüge in die nahe Umgebung unternimmt und dadurch lokale Institutionen unterstützt ist einem selbst überlassen. Denn nachhaltiger Tourismus ist nicht nur eine Sache der Mobilität, sondern kann auch die Natur und Kultur schützen und die Lebenssituation der Menschen vor Ort positiv verbessern.


Gründe für „Green Travel“

Jetzt kommen wir aber erstmal zu den Gründen, die für den „Green Travel“ und seine Transportmöglichkeiten selbst sprechen.


Grund 1: Es ist günstig

Nachhaltigkeit muss nicht teuer sein. Einige Zugunternehmen bieten vergünstigte Preise für Personen unter 25 Jahren an und auch Bustickets sind häufig erschwinglicher als Flugtickets, vor allem in der Sommersaison. Was du dir auch sparst ist ein überteuertes Shuttle-Taxi vom Flughafen in die Stadt hinein, denn Flughäfen liegen meist außerhalb des Zentrums und sind nicht immer mit der Metro oder einem regelmäßig fahrenden Bus verbunden. Bei Zügen und Bussen wirst du nur selten dieses Problem haben, da die Haupthaltestellen häufig mitten im Stadtzentrum liegen und gut an das öffentliche Transportsystem angeschlossen sind.

Ein anderer Faktor, der Flugpreise ordentlich erhöht, ist das Gepäck – und von dem hast du als Auslandsstudent:in genug. Auch hier bieten Zug und Bus einen klaren Vorteil, denn hier musst du maximal ab einer bestimmten Gepäckmenge einen kleinen Zuschuss zahlen. Außerdem hast du hier keinen Stress wegen zusätzlichen Kilos oder einer Schere im Handgepäck.


Grund 2: Tolle Reiseerfahrungen

Reist man die Landroute erhält Distanz eine ganz neue Bedeutung: Man spürt den Weg, den man zurücklegt, und sieht wie sich die Landschaft verändert. Fährt man mit dem Auto hat man hier noch mehr Freiheit, denn wenn man einen tollen Ort sieht kann man einfach anhalten. In Bus und Zug genießt man die Landschaft und Naturspektakel im Vorbeifahren: Ein nebeliger Sonnenaufgang, eine atemberaubende Berglandschaft oder ein fremdes, abgelegenes Dorf.


Grund 3: Bequemlichkeit

Klar, ein Flug hat auch viele Vorteile: Man steigt einfach ein, lehnt sich zurück und landet nach wenigen Stunden in einer völlig neuen Umgebung. Aber Bus und Bahn haben auch ihre Extras: Es gibt Steckdosen und Wlan, welche ermöglichen dass man eine Serie weiterverfolgen oder remote arbeiten kann. Die Sitze sind häufig gut gepolstert und verstellbar, die Fahrzeuge werden regelmäßig gereinigt. Um sich die Beine zu vertreten oder frische Luft zu schnappen bieten sich Umstiege oder Rastpausen an.


Meine Erfahrungen mit „Green Travel“

Die Gründe für „Green Travel“ können vielfältig sein. In meinem Fall hat mich vor allem Flugangst gezwungen auf alternative Transportmittel zurückzugreifen. Für mein Auslandssemester musste ich vom Ruhrgebiet nach Bilbao etwa 1.500 Kilometer zurücklegen – eine Route, die mir vor der ersten Fahrt Respekt und auch etwas Sorge einflößte. Heute ist „Green Travel“ meine liebste Art zu reisen. Man nimmt extrem viel von der Landschaft mit und lernt viel dazu, unter anderem wie man Entspannung in der Aufregung findet und wie man Reisen auf einer langen Strecke geschickt „aufdröseln“ kann (z.B. durch einen coolen Zwischenstopp). Brenzlige Momente wie ein ausgefallener Zug oder an einem Rastplatz stehengelassen zu werden habe ich zum Glück noch nie erlebt. Es gab nervige Situationen wie eine laute Nachtfahrt oder eine Verspätung von einer Stunde, aber solche Erfahrungen sind nicht die Regel. Nachdem ich die ersten Male alleine „grün“ gefahren bin, habe ich bei gemeinsamen Ausflügen Freund:innen ermutigt auf meine Art und Weise zu reisen. Anfänglich kam von ihnen aus Bedenken und Zweifel, doch diese legten sich schnell: Viele empfanden die Fahrten als angenehm und entspannt, sogar längere Fahrten bis zu 15 Stunden.



Einer meiner Lieblingsmomente: Auf der Fahrt von Sevilla nach Bilbao stand einer der berühmten Osborne-Stiere im nebeligen Sonnenaufgang.


Dieser Blog soll auf keinen Fall Flugzeuge oder Personen, die Fliegen präferieren, herabsetzen. Über 15 Stunden unterwegs sein ist nicht für jede:n etwas und einige Personen können aufgrund von körperlichen Konditionen nicht flexibel bei spontanen Reiseplanänderungen reagieren oder nehmen die Reise als sehr unangenehm wahr. Wenn du aber ein Auslandssemester in umliegenden Ländern wie den Niederlanden oder der Schweiz verbringst, so lohnt es sich auf jeden Fall nicht direkt den Kurzstreckenflug zu buchen.


Tipps für „Green Travel“

Hier sind noch ein paar Tipps, die nachhaltiges Reisen definitiv erleichtern.


Tipp 1: Gut vorbereiten

Informiere dich davor gut, welches Verkehrsmittel am geeignetsten ist. Bei einer längeren Distanz ist es vorteilhaft die Routenmöglichkeiten abzuprüfen: Welche Stopps liegen auf dem Weg, wo lässt sich gut ein Halt einlegen? Was möchte ich mir anschauen? Manchmal gibt es auf langen Fahrten preisliche und zeitliche Unterschiede zwischen den Starthaltestellen: Zum Beispiel kann ein Bus- oder Zugticket von Köln aus wesentlich günstiger sein als von Essen oder Düsseldorf aus.


Tipp 2: Richtig packen

Generell gilt: Wer weniger packt fährt besser. Denke daran, dass du in ein funktionierendes Land fährst, wo du die klimatischen Konditionen eventuell gar nicht kennst. Anstatt dir also für dein Wintersemester in Südeuropa vornerein eine große Daunenjacke einzupacken ist es vom Vorteil erstmal loszufahren und dann zu schauen. Auch schwere Hygieneartikel wie Shampooflaschen oder Cremepots haben nichts im Gepäck zu suchen, denn schließlich kann man nötige Artikel auch am Zielort kaufen. Außerdem schlägt sich jedes Kilo Gepäck auf den ökologischen Fu0abdruck nieder. Achte bei langen Fahrten drauf genug Verpflegung und vor allem Wasser dabei zu haben.


Tipp 3: Flüge bestmöglich vermeiden

Wie bereits erwähnt ist Vorbereitung das A und O. Muss ich wirklich die Strecke fliegen obwohl eine Fahrt mit dem Zug oder Bus nur 2-3 Stunden länger dauert? Ein weiteres, vor allem unter Erasmus-Studierenden verbreitetes Thema ist der Besuch der Familie an Feiertagen. Ist es wirklich nötig für ein Weihnachtswochenende nach Hause zu fliegen – vor allem wenn das Semester eh nur noch bis Mitte Januar läuft? Schließlich sind Feiertage eine tolle Möglichkeit, die Traditionen und Bräuche an anderen Ecken der Welt kennenzulernen.


Tipp 4: Offenheit und Spontanität

Oft bauen Erasmus-Studierende schon vor dem Aufenthalt Kontakt zueinander auf. Deshalb ergeben sich manchmal kurzfristig günstige Mitfahrgelegenheiten oder andere Reisemöglichkeiten.


Fallen euch noch weitere Tipps für nachhaltiges Reisen ein? Schreibt sie doch in die Kommentare.


Hilfreiche Links

Wenn du dich mehr für Green Travel und die Förderungsmöglichkeiten hierfür interessierst, kannst du auf der Seite des DAAD vorbeischauen: https://eu.daad.de/programme-und-hochschulpolitik/erasmus-ab-2021/erasmusplus-green/de/81749-foerdermoeglichkeiten-fuer-green-travel/


Bei Fragen an Marisa meldet euch unter auslandslotsen@uni-due.de

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