Interview mit Ira Terwyen vom International Office

29.06.2022 - von Nick


Nach vielen Jahren als ERASMUS-Hochschulkoordinatorin ist Ira Terwyen diesen Monat in den Ruhestand gegangen. In dieser Zeit war sie zusammen mit ihrer Kollegin Marion Kowalski die wichtigste Ansprechpartnerin und Unterstützung für alle Studierenden, die über ERASMUS einen Auslandsaufenthalt in Europa absolviert hatten. Wir haben kurz vor ihrem Abschied noch ein Gespräch über ihre Zeit an der Universität Duisburg-Essen und das ERASMUS Programm geführt.


Hallo Ira, für diejenigen, die dich noch nicht kennen und bisher keinen Kontakt mit dem International Office hatten, stell bitte kurz einmal vor und erzähl uns was dein Hauptaufgabengebiet ist und wie lange du schon im Bereich ERASMUS arbeitest.


Ich heiße Ira Terwyen und ich arbeite schon seit ganz vielen Jahren im International Office, ich glaube seit 1990. Über die Jahre habe ich dort diverse Posten gehabt und im Augenblick bin ich die Erasmus Hochschulkoordinatorin und die Koordinatorin für den Bereich „Studium im Ausland“. Zusammen mit diversen Kolleginnen und Kollegen bin ich zuständig für den ganzen Bereich, der mit Studienaufenthalten im Ausland zu tun hat, unter anderem auch Auslandspraktika oder diverse Förderprogramme. Wir helfen natürlich noch bei der Organisation von Auslandsaufenthalten, das ist eine Seite meiner Arbeit, die mir auch sehr viel Spaß bereitet, insbesondere der Kontakt zu den Studierenden und den Fakultätskoordinatoren und -koordinatorinnen. Die andere Seite meiner Arbeit ist, dass ich im ERASMUS Programm, dem breiten Förderungsprogramm der EU für Studierende, sowie wie für Personal und Dozierende im Hochschulbereich, aktiv bin. Dort bin ich zuständig für die Verwaltung der Verträge mit den Partnerhochschulen in Europa, dazu gehören ca. 30 Länder, das sind nicht nur Länder in der EU, sondern auch Länder wie die Türkei oder Norwegen.


Was sind deiner Meinung nach die besten Gründe für einen Auslandsaufenthalt?


Es gibt nur beste Gründe (lacht). Schlechte Gründe oder mittelmäßige Gründe gibt es nicht. Die besten Gründe sind, dass es für die Persönlichkeitsentwicklung extrem förderlich ist. Es ist ein ganz anderes Erlebnis, tatsächlich in eine fremde Gesellschaft einzutauchen, als irgendwo touristisch hinzureisen, weil man als Studierender, sei es für einen Studienaufenthalt oder für ein Praktikum, das Leben eines Landes und die Mentalität der Menschen viel intensiver kennenlernt. Man erweitert außerdem den eigenen Horizont, ist viel interkultureller sensibilisiert und man wird selbstständiger, da man viele Dinge alleine organisieren muss die zu Hause eine Art Automatismus haben. Was man natürlich auch nicht vergessen darf: man ist viel offener. Offener für die Kommunikation mit fremden Menschen, weil man vielleicht allein dort ist, und man lernt andere Leute kennen mit denen Freundschaften entstehen, die teilweise sogar ein ganzes Leben lang dauern. Ich habe z.B. Kolleginnen, die vor zwanzig Jahren mit mir über ERASMUS im Ausland waren und es gibt immer noch Freundschaften aus dieser Zeit. Ein Auslandsaufenthalt mit ERAMUS ist wirklich eine einmalige, intensive Erfahrung.


Du betreust das ERASMUS Programm schon seit sehr sehr vielen Jahren. Was hat sich in dieser langen Zeit verändert und wie hat sich die internationale Zusammenarbeit und das Auslandsemester entwickelt und verändert? Auch im Hinblick auf Digitalisierung.


Die Mobilität hat sich in Zahlen von 1990 an bis heute positiv entwickelt, die Studierenden sind insgesamt wacher geworden und wir haben unsere Mobilitätszahlen gesteigert. Für Studierende hat ein Auslandsaufenthalt einen höheren Stellenwert als wie vor 20 Jahren. Das liegt mit Sicherheit daran, dass auch Themen wie interkulturelle Kompetenz, Integration, und Diversität im Laufe der Jahre an Stellenwert stark zugenommen. Das hat natürlich zur Folge gehabt, dass Universitäten und Abteilungen wie wir als International Office wesentlich aktiver geworden sind und den Studierenden viel mehr anbieten, um ins Ausland zu gehen. Aufgrund der Digitalisierung können wir nun natürlich Dinge anbieten, die vorher nicht möglich waren, wie z.B. virtuellen Unterricht für Studierende, die hier einen Job haben und nicht unbedingt ins Ausland gehen können, weil sie diesen aufgeben müssten. Es gibt die Auslandslots*innen, die super viel für uns machen und digital im ständigen Kontakt mit den Studierenden sind und diesen persönliche Tipps & Tricks rund um das Thema Auslandsaufenthalt geben. Viele wissen heutzutage, dass die persönliche Bereichung und die Soft Skills, die man durch einen Aufenthalt gewinnt, auch viele „Credits“ wert sind und ein Aufenthalt für die Zukunftsplanung wichtig ist. Man weiß, dass Studierende, die einen Auslandsaufenthalt gemacht haben, einen großen Vorteil im Berufsleben haben.


Was waren deine schönsten Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Studierenden, die den Weg ins Ausland angetreten sind?


Das sind sooo viele, das könnte ich gar nicht aufzählen. Also was ich immer schön finde, ist wenn ich sehe dass es Studierende gibt, die ein bisschen zögern und vorher sagen „Krieg ich das hin“, „Ich habe Angst“, „Ich war in dieser Form noch nie alleine im Ausland“ oder „Ich war immer nur im Urlaub mit Familie und Freunden“, und dann total zufrieden und glücklich zurückkommen. Manchen sagen sogar „Ich plane jetzt schon meinen nächsten Aufenthalt“, diese Momente sind einige der schönsten Erlebnisse, die ich hatte. Auch, weil ich selbst vielfältig bin: ich bin Finnland geboren, in Spanien großgeworden und mein damaliges Auslandssemester war hier das Studium in Deutschland, wo ich de facto dann auch kleben geblieben sind. Ich freue mich jedes Mal, wenn jemand ins Ausland geht, weil ich weiß, wie schön es ist ein neues Land kennenzulernen und in neue Kulturen einzutauchen.


Gibt es irgendwelche kuriosen Geschichten oder Erlebnisse an die du dich erinnern kannst?


Eine kenne ich, aber nur vom Hören von einem Koordinator aus einer Fakultät. Der erzählte mir, dass ein Student von ihm nach Norwegen gegangen ist, und es hat ihm so gut gefallen dort, dass er geblieben ist und nun als Briefträger dort arbeitet. Er ist total glücklich, das finde ich super! Wir selbst hatten mal einen Studenten bei dem wir dachten er schaffe das nie. Er war sehr unselbstständig und ich hatte wirklich selber persönliche Zweifel, ob er das packt. Er ist dazu noch ganz alleine in eine Großstadt gegangen und ich hatte ihm gesagt dass wir im Kontakt bleiben, da ich richtig besorgt war. Als er zurückgekommen ist, war er vollkommen umgewandelt. Da stellt man fest, dass man sich auch irren kann. Das fand ich wirklich kurios in dem Sinne weil ich dachte, dass er völlig unfähig wäre ins Ausland zu gehen. Sowas gibt es eigentlich nie. Aber dieser Student war jede Woche in meinem Büro bevor er ins Ausland gegangen ist und ich hab nur drauf gewartet, dass er jederzeit zurückkommen würde. Aber es ist auch eine tolle Botschaft, denn jeder kann es schaffen ins Ausland zu gehen.


Viele wissen gar nicht, dass du gebürtige Finnin bist. Ich bin selbst in Finnland gewesen. Was sind für dich gute Argumente nach Finnland zu gehen für einen Auslandsaufenthalt?


Du weißt mit Sicherheit, die Finnen sind laut Umfrage das glückliste Volk der Welt. Jedes mal wenn ich das lese, muss ich lachen, denn ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber es gibt mit Sicherheit viele Gründe nach Finnland zu gehen. Die universitären Strukturen sind sehr gut, die sind digital super drauf. Die Finnen sind ein freundliches Volk, auch wenn vielleicht ein wenig schweigsam. Naturliebhaber werden da voll auf ihren Geschmack kommen, denn es ist das Land der vielen Seen und auch der Teil von Lappland ist durchaus sehr interessant. Es gibt viele schöne touristische Seiten von Finnland. Es ist ein bißchen anders als der Rest von Skandinavien, alleine weil wir andere Wurzeln haben. Bildungsstechnich hat unsere Universität sehr gute Kooperationen in Finnland, und die Betreuungsprogramme für Studierende sind sehr sehr gut. Vorallem das Angebot auf Englisch ist sehr groß, sowohl für Bachelor- als auch für Masterstudiengänge gibt es ein breites Angebot.


Was wirst du am meisten an der Zeit an der UDE am meisten vermissen?


EUCH. Also wirklich. Die Arbeit mit Studierenden macht mir sehr sehr viel Spaß, das ist etwas was einen permanent bereichert und einen neugierig macht. Das werde ich mit Sicherheit vermissen. Ich wohne relativ nah an der Universität, also möglicherweise komme ich das ein oder andere Mal vorbei, um einen Kaffee hier am Campus Essen zu trinken. Andererseits bleibe ich Europa und ERASMUS treu. Ich begebe mich bald auf Reise in Europa und da ich ursprünglich Kommunikationsdesign studiert habe, bin ich gerne Fotografin, und werde in viele der Gesellschaften in Europa eintauchen und die Erfahrungen eines Auslandsaufenthaltes aus der etwas älteren Perspektive machen. Aber es ist mit Sicherheit genauso schön.


Wir kennen und lieben deinen Email-Gruß „Saludos“. Was hat es damit auf sich?


Saludos ist Spanisch und bedeutet „Grüßen“. Ich bin ja in Spanien groß geworden. Dadurch dass ich eine penetrante Duzerin bin, so wie es in Finnland der normale Fall ist, habe ich Saludos immer als Standardgruß genutzt, vorallem bei Studierenden, um denen zu verstehen zu geben, dass es bei mir ein wenig lockerer ist. Also mit besten Grüßen, liebe Grüße ist nicht immer ganz so angebracht in meiner Position. Und Saludos ist etwas was alle meine Freunde sagen, das hat sich irgendwie so ergeben und ist dann geblieben. Nur wenn ich etwas offizieller etwas schreibe, kommt am Ende etwas anderes hin.


Es hatte auch direkt internationalen Flair wenn ich das gelesen hab! Danke für das Interview Ira!

190 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen