Draußen zuhause: Naturerlebnisse während meines Auslandssemesters in Finnland
- Auslandslots*innen

- 2. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
02.01.26 - von Fitore
Finnland, das klingt nach endlosen Wäldern, glitzernden Seen und langen Wintern. Doch jenseits dieser Bilder verbirgt sich ein Lebensstil, in dem Natur selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Während meines Auslandssemesters in Jyväskylä, einer Stadt im Herzen der finnischen Seenlandschaft, durfte ich genau das erleben. Was als akademisches Abenteuer begann, wurde schnell zu einer intensiven Begegnung mit einer Landschaft, die mich tief beeindruckt hat.
Jyväskylä, etwa 270 Kilometer nördlich von Helsinki gelegen, ist eine typische finnische Stadt: überschaubar und doch umgeben von nahezu unberührter Natur. Nur wenige Minuten von meiner Unterkunft entfernt begann der Wald, ein Meer aus Kiefern und Fichten. Schnell wurde dieses Waldstück zu meiner persönlichen Laufstrecke, egal, ob morgens vor den Kursen oder am späten Nachmittag. Die Wege führten entlang zugefrorener Seen, über kleine Hügel und vorbei an Aussichtspunkten, von denen aus sich die schöne Winterlandschaft betrachten ließ.
Besondere Bedeutung bekam für mich der Laajavuori, das städtische Skigebiet direkt an

Jyväskylä. Was zunächst wie ein kleines Freizeitangebot wirkte, entpuppte sich als lebendiger Treffpunkt für Einheimische, internationale Studierende und Familien. Ich verbrachte dort zahlreiche Nachmittage: beim Skifahren, beim Beobachten erfahrener Langläufer oder einfach beim Spazieren auf den verschneiten Wegen. Besonders eindrucksvoll war die frühe Dämmerung, die im Winter manchmal schon gegen 15 Uhr einsetzte.
In Finnland bestimmt Natur das Leben. Der Winter ist lang und dunkel, doch statt sich zurückzuziehen, gehen die Menschen hinaus. Sie laufen, fahren Ski, sitzen trotz Minusgraden am Feuer. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ ist hier nicht nur ein Spruch. Mit Freunden rodelten wir Hügel hinunter, spazierten und lagen auf zugefrorenen Seen und blickten in den Sternenhimmel. Manchmal hofften wir auf Polarlichter, und selbst wenn sie sich nicht immer zeigten, tat es gut, einfach dazuliegen und den Sternenhimmel sowie die Stille zu genießen. Es waren genau diese Momente, die wir draußen gemeinsam erlebten und die uns besonders verbanden.
Eine weiteres prägendes Erlebnis war das Eisbaden. Bei Minusgraden ins eiskalte Wasser zu steigen, während ringsum Schnee liegt, klingt zunächst abschreckend. Doch in Kombination mit der Sauna ist es eine typisch finnische Tradition und ziemlich cool.
Im Frühling und Sommer zeigte sich Finnland von einer anderen Seite. Die Seen tauten auf und nach Wanderungen sprangen wir direkt ins Wasser. Dieses Schwimmen nach einem langen Hike fühlte sich super entspannt an. Finnland wird nicht umsonst das „Land der tausend Seen“ genannt. Tatsächlich bildet die finnische Seenplatte das größte zusammenhängende Seengebiet Europas. Im Sommer zieht es ebenfalls Angler und Paddler hinaus.
Während meines Aufenthalts wurde mir auch bewusst, welche Bedeutung die Nationalparks im finnischen Selbstverständnis haben. Das Land zählt über 40 Nationalparks, die von Moorlandschaften über Wälder bis hin zu arktischen Fjells reichen. Sie wurden nicht nur zum Schutz der Umwelt geschaffen, sondern auch zur Erholung der Menschen. Das finnische „Jedermannsrecht“ erlaubt es jedem, sich frei in der Natur zu bewegen und Naturflächen für Freizeitzwecke zu nutzen, solange man respektvoll handelt und keine Spuren hinterlässt. Dieses Vertrauen prägt das Verhältnis zur Umwelt.

Ein Höhepunkt meines Semesters war eine Reise nach Lappland. Orte wie Saariselkä und Rovaniemi beeindrucken mit ihrer Weite und klaren Winterlandschaft. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Aufstieg auf den Kaunispää, von dem aus sich eine endlose Schneelandschaft eröffnete. Beim Schneeschuhwandern liefen wir durch unberührte Schneefelder und legten uns in den Schnee, um in den Himmel zu schauen. Beim „Polarlichter-Hunting“ spazierten und warteten wir in der Dunkelheit bis die Polarlichter zu sehen waren. Wir lernten auch grundlegende Überlebensfähigkeiten: Feuer entfachen im
Schnee, Eisfischen auf zugefrorenen Seen und einfache Tricks, um in der winterlichen Wildnis zurechtzukommen. Auch die Husky-Safari bleibt unvergessen: Die Hunde zogen uns durch die verschneite Landschaft und kannten jede Kurve. Wir fütterten Rentiere, rodelten Hügel hinunter und erlebten Winter in seiner intensiven Form.

Rückblickend wurde mir klar, dass Finnland mich nicht nur akademisch geprägt hat, sondern mir eine neue Wertschätzung für die Natur geschenkt hat. Die Menschen hier leben mit einer Selbstverständlichkeit draußen, die ansteckend ist. Jyväskylä war dafür der perfekte Ausgangspunkt: lebendig genug für das Studentenleben und gleichzeitig klein genug, um jeden Tag im Wald oder am See zu sein. Es war eine Zeit, die mir zeigte, wie viel Kraft in Stille, Weite und im einfachen Draußensein liegt. Die Natur verändert irgendwie den Blick auf das Wesentliche.
Abschließend kann ich nur sagen: Finnland war für mich nicht nur ein Semester lang ein Zuhause, sondern bleibt es für mich immer. Eine unvergessliche Zeit, geprägt vom Ort und der Natur sowie den vielen besonderen Momenten draußen mit Freunden, die mir ans Herz
gewachsen sind.



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