Mein Auslandsjahr in Peru - Wie aus Kommilitonen Freunde wurden
- Auslandslots*innen

- vor 30 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
11.02.26 - von Kevin
Im Rahmen des Studiums ist für die Studenten des Faches Spanisch ein Semester im spanischsprachigen Ausland vorgesehen, daher habe ich mich als erstes an einer Universität in Spanien beworben. Als ich dann jedoch von der Möglichkeit hörte, in Lateinamerika studieren zu können, war für mich klar, dass ich dies vorziehen würde und

bewarb mich deshalb auch dort mit Erfolg. Im Blog Heimat die Zweite der Auslandslotsen, finden sich vier längere Einträge, bei denen ich sehr detailliert darauf eingehe, wie etwa der Bewerbungsprozess abläuft oder wie der Campus aufgebaut ist und vieles mehr. Er richtet sich an diejenigen, für die ein Auslandssemester oder -jahr dort in Frage kommt. Zudem gibt es zwei Folgen (#11 und #12) beim gleichnamigen Podcast, wo ich über meine Erfahrungen erzähle. Hier möchte ich jedoch darüber schreiben, wie ich in der Fakultät Anschluss fand und wie aus einfachen Kommilitonen gute Freunde wurden.
Noch bevor ich in Lima landete, hatte ich bereits meinen ersten Kontakt geknüpft. Denn, genauso wie die UDE, bietet die PUCP, so heißt die Universität an der ich war, ein „Buddy-Programm“ für Austauschstudenten an. Heißt, ein einheimischer Student hilft einem bei diversen Fragen vor und auch während des Aufenthalts. Zudem kann man in die WhatsApp-Gruppe der ausländischen Austauschstudenten hinzugefügt werden.
Bereits am Willkommenstag, wo die Uni vorgestellt und gezeigt wird, bietet sich die Gelegenheit andere Studenten aus dem Ausland kennenzulernen. Auch hier wird man durch den riesigen Campus geführt und geht im Anschluss in Gruppen zusammen essen. Dabei freundete ich mich mit einer Kommilitonin an, die meine Gruppe begleitet hat und sie lud mich schon bald spontan auf die Geburtstagsfeier einer ihrer Freundinnen ein. Die Peruaner sind ein sehr aufgeschlossenes Volk und echt zuvorkommend, jedoch machten sich die kulturellen Differenzen schon bald bemerkbar – dazu später kurz etwas mehr.
Als das Semester regulär anfing, saß ich in den Seminaren weiter hinten und unternahm weniger Anstrengungen mich meinen Kommilitonen anzunähern. Nur wenn jemand direkt neben mir saß und ich eine Frage zum Kurs hatte, was tatsächlich gar nicht so selten der Fall war, machte ich den Mund auf.
Die ersten Annäherungsversuche kamen daher von meinen Kommilitonen. Generell ist die Fakultät der Geisteswissenschaften eine der kleinsten auf dem Campus und daher auch die Fachbereiche Literatur- oder Sprachwissenschaften, so dass sich alle mehr oder weniger u

ntereinander kennen. Bei Letzteren kam es mir sogar so vor, dass sie alle eine größere Freundesgruppe bildeten, denn neben dem Unterricht aßen sie oft zusammen zu Mittag oder lernten gemeinsam im Gemeinschaftsraum der Fakultät. Schon bald wurde ich dazu eingeladen mit ihnen essen zu gehen. Später wurde ich von einem Kommilitonen aus dem Bereich Literatur zu einer Halloweenparty eingeladen und es sollten weitere folgen.
Bei den Humaniteadas, einem Wettkampf zwischen den Fächern innerhalb der Fakultät der Geisteswissenschaften, welches jedes Wintersemester stattfindet, kam dann für mich der eigentliche Durchbruch in Sachen Integration. Dadurch, dass ich Literatur und Linguistik dort studierte und beide zusammen antreten, schrieb ich mich für ein paar sportliche Disziplinen ein. Letzten Endes machte ich bei fast allen mit, auch den Wetten. Durch die Teilnahme lernte ich viele neue Kommilitonen kennen, bzw. besser kennen und schloss auch die ersten richtigen Freundschaften. Der Zusammenhalt war so groß, dass wir am Ende nur knapp den Sieg verpassten und Zweiter wurden, einmalig in der Geschichte von Liteling bis dahin.
Im Sommersemester gibt es dann die sogenannten Inferfacultades, dasselbe auf Fakultätsebene. So kann man Kommilitonen aus anderen Fachrichtungen, aber derselben Fakultät näherkommen. Auch ich fand so neue Freunde.
Eine weitere Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, ist es, in einen der vielen Gruppen aktiv zu werden, die es in der Uni gibt. Sonst kann man ein breites Sportangebot in Anspruch nehmen, besonders bei Mannschaftssport knüpft man schneller neue Kontakte. In meinem Fall probierte ich Schach aus, ging ins Fitnessstudio, trainierte zwei Semester lang Tischtennis und im zweiten kam dann Rugby hinzu.
Unter den Austauschstudenten, die anders als ich meist zusammenleben, gab es ein weitreichendes Miteinander. Sie gingen zusammen feiern bzw. organisierten selbst Feiern, reisten zusammen an den (verlängerten) Wochenenden oder gingen Fußball spielen. Beteiligt habe ich mich dabei eher weniger, aber auch ich ging mal zu einem Essen, bei dem

jeder etwas aus seinem Land mitnahm oder zu einem Fußballspiel der Nationalmannschaft.
Als sich das erste Semester dem Ende neigte, hatte ich mich gerade erst wirklich eingelebt, als wir mit dem Kurs Amazonische Linguistik auf eine dreitägige Exkursion in den Regenwald flogen. Dort fasste ich dadurch, dass ich mich in Peru wirklich wohl fühlte, den Entschluss, meinen Aufenthalt zu verlängern. Gesagt, getan. So wurde aus einem Auslandssemester ein Auslandsjahr.
Jedoch war nicht alles immer einfach. Nicht wenige hatten mit meiner direkten deutschen Art am Anfang Schwierigkeiten und ich trat in das ein oder andere Fettnäpfchen. Die meisten Missverständnisse konnten allerdings schnell geklärt werden. Meine Persönlichkeit hat sich zudem durch meine Zeit in Peru etwas verändert.
An meinem 23. Geburtstag veranstaltete ich eine große Feier und fast alle meine Kommilitonen kamen vorbei, was sehr schön war. Bevor ich wieder nach Deutschland zurückflog, gab es dann noch zwei Abschiedspartys, jeweils von jeder Fachrichtung.
Abschließend kann ich nur sagen, dass die PUCP nicht nur für ein Jahr mein Zuhause gewesen ist, sondern es auch mein Leben lang bleiben wird. Eine unvergessliche Zeit, die hauptsächlich durch meine Kommilitonen, die später meine Freunde wurden, geprägt wurde und die ich sehr vermisse. Aus diesem Grund kann ich jedem, der die Möglichkeit dazu hat, nur empfehlen seinen Austausch in Peru zu machen und verweise nochmals auf die vorhin erwähnten Blogeinträge sowie den Podcast, um sich ein noch besseres Bild machen zu können.




Kommentare