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Internationale Freunde finden und sich mit Einheimischen anfreunden

23.12.2022 – von Elisa


Um ehrlich zu sein hatte ich keine Ahnung, wie ich Freunde finden sollte, bevor ich nach England aufbrach. Ich glaube, ich hatte einfach gehofft, dass ich in meinen Vorlesungen und Seminaren Leute an der Universität kennenlernen würde, und dass ich mich hoffentlich mit meinen Mitbewohner:innen im Studentenwohnheim anfreunden würde. Ich erinnere mich überlegt zu haben, einer Studentenvereinigung beizutreten oder einem meiner Hobbys nachzugehen und dabei bestenfalls auch Leute kennenzulernen. Aber das war's auch schon, glaube ich. Ich hatte nicht wirklich einen gut durchdachten, festen Plan. Ich wollte einfach sehen, wer meinen Weg kreuzen würde.

Es stellte sich dann jedoch heraus, dass es ziemlich schwierig war, in meinen Seminaren und Vorlesungen Leute kennenzulernen, da die einheimischen Studierenden zwar sehr freundlich waren, aber offensichtlich nicht daran interessiert, Freundschaften mit Leuten zu schließen, die sich in ein paar Monaten schon wieder am anderen Ende der Welt befinden würden. Auch mich mit meinen Mitbewohner:innen anzufreunden, klappte nicht wirklich, denn sie machten die meiste Zeit ihr eigenes Ding, sodass ich mich nach einiger Zeit schon ziemlich einsam fühlte.

Deshalb ist mein Rat, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, sondern so schnell wie möglich die Initiative zu ergreifen und aktiv zu versuchen, Leute kennenzulernen. Meistens bietet deine Gastuniversität Veranstaltungen für internationale Studierende an, oder sogar Erasmus selbst. Du kannst nach Clubs, student societies und Aktivitäten an der Universität suchen, die dich interessieren, um Gleichgesinnte zu finden, die - da bin ich mir sicher - mehr als glücklich darüber sein werden, dich als Teil ihrer Gemeinschaft willkommen zu heißen. Wenn ich auf mein Auslandssemester zurückblicke, fällt mir aber gleichzeitig auch auf, dass es unheimlich wichtig ist, einfach offen und ein bisschen spontan zu sein, einfach mal loszulassen, die Dinge geschehen zu lassen und zu versuchen, nicht jedes Detail zu planen und auf vorgefertigte Pläne fixiert zu sein. Die richtigen Leute werden euch schon begegnen, solange ihr nur die Augen offen haltet und vielleicht auch anfangt, ein wenig aus eurer Komfortzone auszubrechen.

Ich hatte insofern großes Glück, als dass, als ich eines Tages in der Uni einen Flyer in die Hand gedrückt bekam, der mich über ein wöchentlich stattfindendes globales Café für internationale Studierende in Leeds informierte. Diese Treffen wurden hauptsächlich von Einheimischen organisiert und waren für alle internationalen Studierenden, die sich ein Zuhause in der Ferne schaffen, neue Menschen treffen, Freunde finden und die britische Kultur besser kennenlernen wollten.

Ich gebe zu, ich hatte schon meine Zweifel einfach allein zu einem Treffen zu gehen, bei dem ich niemanden kennen würde und nicht wirklich wusste, was mich erwarten würde. Aber ich habe damals meinen Mut zusammengenommen und es gewagt. Und es hat sich mehr als gelohnt!

Wir haben zusammen den Pancake Day gefeiert und Pfannkuchen gebacken, Gesellschaftsspiele gespielt, britische Comedy geschaut, Tea Tastings gemacht und eine Laientheatervorstellung besucht, sind aus Escape Rooms ausgebrochen und in blödsinnigen Quizzes gegeneinander angetreten, haben Ceilidh tanzen gelernt, Valentinstagskarten für unsere Lieben zu Hause und Kühlschrankmagnete als Andenken gebastelt.

Es wurden auch Tagesausflüge zu sehenswerten Orten in und um Leeds geplant, an denen alle Interessierten teilnehmen konnten. So haben wir zum Beispiel einen zauberhaften, verschneiten Winter-Wonderland-Tag in Hebden Bridge verbracht, folgten gemeinsam den Spuren der Brontë Schwestern in ihrem Heimatort Haworth, waren im Peak District wandern und später in Sheffield authentisch chinesisch essen, haben die raue Moorlandschaft in Ilkley erkundet und glänzende Rüstungen und Waffen im Royal Armories Museum bestaunt.

Mit der Zeit haben wir uns dann auch in kleineren Gruppen außerhalb der geplanten Treffen für internationale Studierende gesehen, haben zusammen Ausflüge unternommen, Bubble Tea getrunken und waren gemeinsam essen.

Obwohl ich in erster Linie zum Studieren nach Leeds kam, ist die Zeit, die ich mit den Freunden, die ich bei diesen Treffen gefunden habe, das, woran ich mich mein Auslandssemester betreffend immer als Erstes erinnern werde. Fast alles, was an meiner Zeit in England herausragend war, habe ich mit und dank dieser Menschen erlebt. Ich habe die wunderbarsten, interessantesten und freundlichsten Leute aus aller Welt kennengelernt, enge Freundschaften geschlossen und erstaunliche Orte gesehen. Bevor ich in Leeds ankam, dachte ich ursprünglich, dass ich dort bestenfalls ein paar neue Freundschaften schließen würde, aber was ich durch diese Menschen gefunden, und wovon ich tatsächlich Teil geworden bin, ist eine Familie.

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